"Wer vor etwas mehr als einem halben Jahrhundert das Salzkammergut mit seinen herrlichen Seespiegeln durchwanderte, dem ist im Gegensatz zu unserem heutigen frischen, fröhlichen Leben gewiss noch das einförmig lediglich im Dienste des Salzwesens stehende Thun und Treiben in Erinnerung. Überall fehlte damals noch das vollendende Werk der schmückenden Menschenhand, die Cultur des Geschmackes, die verständige Ausnützung der natürlichen Anlagen, um eine Landschaft zu schaffen, wie sie das Kammergut in seiner gegenwärtigen Ausgestaltung zeigt. Im unausgesetzten Streben nach Verbesserung [...] zeigten sich bald die zierlichen Bauwerke parkumschatteter Villen, [...] hier sah man die träumerischen Gruppen idyllischer Landsitze, dort die Romantik malerischer Burgen entstehen. Rauchende Schlote von Dampfschiffen, schön geformte, leicht bewegliche Kielboote mit flatternden Segeln und Flaggen, die an Stelle der schwerfälligen Salzschiffe traten, belebten die Gewässer, während vom Land her der gellende Pfiff der Locomotive vernehmbar wurde."

aus: Leo Kegele
Das Salzkammergut
Wien 1898





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